Rock´n´Roller

Rock’n’Roller - sicherlich ein etwas zu breit gefächerter Ausdruck für eine bestimmte Spezies von Cat innerhalb der vielschichtigen Rock’n’Roll- und Rockabilly-Szene. Die ersten Rock’n’Roller waren sicherlich die Underdogs in den Ghettos der amerikanischen Großstädte der 50er. Aufgrund der multikulturellen Splitterung der einzelnen Viertel (Schwarze, Chinesen, Südamerikaner, Italiener, Iren) bildeten die Jugendlichen Banden, um ihre Viertel gegen „Eindringlinge“ der anderen Viertel zu verteidigen. Jeans (meist gekrempelt, da man zu faul war die schlecht genähten Teile umnähen zu lassen), Engineer Boots (trug man beim Job sowie in der Schule und Freizeit), das obligatorische T-Shirt (wieder einfach nur Faulheit!?), sowie die Lederjacke (laut eines Fachbuches fuhren damals in Großstädten wie New York etc. über 70% der ärmeren Jugendlichen ein motorisiertes Zweirad - oftmals selbstgebastelt) gehörten zur Standardbekleidung.

Mit dem Aufkommen des Rock’n’Roll hatten gerade diese Jugendlichen ihre Musik gefunden und in den Anfangsjahren des Rock’n’Roll verband die Öffentlichkeit mit der Musik eben diese Underdogs mit schweren Stiefeln, die den ganzen Tag auf der Straße herumlungerten und nichts anderes taten als Musik zu hören und, größtenteils, Straftaten zu begehen - der Juvenile Delinquent war geboren. Heutzutage kann man sich Dutzende von Filmen aus dieser Zeit auf Video reinziehen, die damals in Reihe gedreht wurden und in denen die Rock’n’Roller immer die sexgeilen, gemeingefährlichen Buben sind. Sicherlich gab es auch in der Mittelschicht eine gesunde Rock’n’Roll-Szene, doch das Image des ledertragenden Wilden wurde später in die 80er transformiert, da dies doch besser das Lebensgefühl des Rock’n’Roll wiederspiegelt, wobei wir nun in den 80ern und somit beim Revival wären. Zu Beginn des großen Revivals in den früher 80ern (in erster Linie durch die Stray Cats), kamen auch Boots und Lederjacke wieder in Mode. Als eindeutige Abgrenzung zu den Teddyboys waren es gerade die jungen Rock’n’Roller die wieder den Stil der JD’s der 50er für sich entdeckten. Natürlich wurden hin und wieder auch Anzüge, Chukkas (eigentlich ein typischer Teddyboyschuh) und Baseball Jacken herausgekramt, doch Standard blieb der Stil eben jener Jugendlichen aus den Ghettos der 50er.

Später folgten dann noch Winkelpicker (eigentlich eine Schuhart aus den früher 60ern), Harrington Jackets (da diese den Blousons der 50er am ähnlichsten sind), Holzfällerhemden etc. Musikalisch gesehen sind sogenannte Rock’n’Roller sicherlich die mit am offenste Art in unserer Szene. Gehört wird was gefällt, von Jets bis Gene Vincent, von gutem Jive bis zu Buddy Holly. Auch kleidungstechnisch ist Vielfalt angesagt, beim passenden Anlass wird der o.g. Anzug herausgeholt - beim Besäufnis geht man schlicht im Alltagsleder. Diese Kleidungsstil prägte jahrelang das Bild der Szene und ist auch heute noch teilweise zu finden. Wer erinnert sich nicht an die Massen von dicken fetten Haarspraytollen - alle mit schwarzen Lederjacken und Winkelpickern auf den Rockhouse Meetings der 80er. Allerdings verdrängt der immer größer werdende Einfluss der Hep Cats langsam aber sicher diese Urform der modernen Rock’n’Roll-Szene, wobei zum Schluss gesagt sein muss, dass gerade Newcomer (speziell auf dem europäischen Kontinent) diese stilistische Art der Szene gerne übernehmen und teilweise weiterführen, bevor sie sich dann, nach einiger Zeit, meist doch in eine andere Richtung bewegen.